Vielfältige Deutungen


Die Gruppe der Satznamen, die häufig Aufforderungen ausdrücken, ist besonders selten.

Ihre mittelalterlichen Begriffe klingen oft kurios: Hinter dem Namen "Hütsbier" verbirgt sich ein Aufruf an den Gastwirt (Hüt [da]s Bier!). "Scheudenpflug" (Scheu den Pflug!) meint vermutlich den Vorwurf, sich der Arbeit zu verweigern.

Manche Namen lassen sich sogar auf mehrere Arten deuten: So könnte "Hassdenteufel" (Hass den Teufel!) einen Draufgänger - also einen "Teufelskerl" - oder aber einen besonders frommen Menschen bezeichnen. Der Satzname "Störtebeker" ist sogar berühmt-berüchtigt: Seeräuber Klaus Störtebeker war offenbar für seine Trinkfreude bekannt. Sein Name lässt sich mit "Stürze, leere den Becher!" übersetzen.

Weitere:

Blievernicht: niederdeutsch blive dâr nicht  - bleib da nicht
Bukendahl: niederdeutsch buk ön dâl - beug ihn nieder
Füllkrug: mittelhochdeutsch krûse - mach den Krug voll
Hauenschild, Hauschild: haue den Schild
Hauhardt: haue sehr
Hebestreit: mittelhochdeutsch hebestrît - hebe den Kampf von neuem an
Hotop, Hautop (Hotopf.): niederdeutsch hôt op - Hut auf
Kiesewetter: mittelhochdeutsch kiesen - in der Bedeutung spähen; erspähe das Wetter! also Wetterprophet
Lathwesen: niederdeutsch lât wesen - laß sein
Linneweh: mittelhochdeutsch linde wê - lindre Weh
Mackenthun: niederdeutsch mâk den tûn - mach den Zaun
Reibenstein: reibe den Stein
Ristenpat: niederdeutsch rüste den pat - bereite den Weg
Rühmekorf, Rühmkorff, Rühmekorb: niederdeutsch räume - mach leer den Korb
Schickendans: niederdeutsch schicke den dans - ordne den Tanz an, laß aufspielen
Spanuth: niederdeutsch span ût - spann aus.
Stürzekarn: stürze den Karren - kippe ihn über

...

Namen entstanden auch durch Umzüge oder Umsiedlungen: Wechselten die Familien ihren Wohnort, so tauften die neuen Nachbarn sie auf den Namen der alten Heimat - als Schwab, Hesse oder Böhmer.

Von fast allen Namen gibt es heute unterschiedliche Schreibweisen. Auffallend sind stark variierenden Namensformen. Zu jener Zeit gab es noch keine amtlich festgelegte Schreibweise der Personennamen. Zudem wurden die Namen im weitgehend analphabetischen ländlichen Bereich mündlich gebraucht und dabei laufend verändert. Der Amtsschreiber hat den Namen dann so geschrieben, wie er ihn akustisch verstanden hatte und wie er das Gehörte in Buchstaben umsetzen konnte.

Zum Nachname Vogt sind unter anderem folgende überlieferte Schreibweisen in den Telefonbüchern hinterlegt:
Voth, Focht, Vogts, Foth, Voight, Voigt, Voit, Voigts u.a.

Nachname Volk: An ähnlich lautenden bzw. ähnlich geschriebenen Namen finden sich u. a.
Volck, Folk und Folck, ferner Volke, Folke, Völk und Völke.

Dieses ließe sich an Hand der hier auf dieser Site geführten Nachnamen beliebig fortsetzen.

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