Herkunft

Umgangssprachlich werden vor allem in süddeutschen sowie in manchen österreichischen Regionen bei Frauen teilweise die Familiennamen durch Anhängen der Endung -in erweitert, zum Beispiel Bernauerin. Dieses Suffix wurde noch bis ins 18. Jahrhundert auch in amtlichen Dokumenten wie den Kirchenbüchern so eingetragen.

Auch bei der Identifikation der historischen Ursprungsgegend gibt die geographische Verteilung von Familiennamen wertvolle Hinweise. Die folgenden Beispiele können bei Geogen nachvollzogen werden. So deutet z. B. Schlöder auf das südliche Rheinland, Herbel nach Hessen und Züfle nach Württemberg. Alte Familiennamen, die auch mehrere Ursprünge haben können wie Kolbe, weisen meist eine relativ gleichmäßige Verbreitung auf.


Es werden Nachnamen gebildet, die direkten Bezug z.B. auf den Herkunftsort nehmen. So nannte man einen aus Bayern zugezogenen Peter - "Peter der Bayer" und wenig später nur noch kurz "Peter Bayer".

Die in den Städten gesprochenen regional abweichenden Dialekte, führten zu einer teils mannigfachen Schreibweise von Nachnamen, die auf denselben Ort verweisen. Beispiel: Für einen Menschen, der aus Köln stammte, konnten sich die folgenden Varianten für seinen Nachnamen herausbilden: "Köllner, von Cölln, Kölsch, Kölling, Cölnermann".

Durch die Einwanderung von Gastarbeitern in die Bundesrepublik seit den 50er Jahren sind auch italienische, spanische, jugoslawische, portugiesische und insbesondere türkische und kurdische Familiennamen in Deutschland verbreitet. Durch Gastarbeiter in der DDR und Flüchtlinge während des Vietnamkriegs sind auch vietnamesische Namen, speziell Nguyen, in Deutschland vertreten.


Woher kommt mein Nachnamen?

Nachnamen sind in vielen Fällen bereits Jahrhunderte alt. Oft kann es in dieser Zeit passiert sein, dass sich Schreiber bei einer Eheschließung oder Taufe verschrieben haben und so aus Wieser z. B. Wiser wurde. Es ist daher unmöglich, sicher auf den Ursprung eines Namens zu schließen, da im Laufe der Jahrhunderte Anpassungen, Kürzungen oder einfach Schreibfehler einen Namen verändert haben. Trotzdem kann man eventuell Rückschlüsse auf die Herkunft ziehen:


Altpreußische Herkunft:

Familiennamen altpreußischer Herkunft haben ihren Ursprung in den ehemaligen Siedlungsgebieten des baltischen Stammes der Prußen, in den späteren Gebieten Ost- und Westpreußens. Die Herausbildung der Familiennamen unter der altpreußischen Bevölkerung setzte unter deutschem Einfluss bereits sehr früh, zu Beginn des 14. Jhd., ein. Obwohl die altpreußische Sprache bereits im 17. Jhd. ausgestorben ist, haben sich altpreußische Familiennamen in einer Vielzahl bis heute erhalten. Es dominieren Familiennamen, die von baltischen zweigliedrigen Rufnamen sowie von Siedlungsnamen abgeleitet sind. Vereinzelt können auch Familiennamen nachgewiesen werden, die auf Berufsbezeichnungen oder Übernamen zurückgehen. Die Deutung dieser altpreußischen Familiennamen ist mit Schwierigkeiten verbunden, da durch das frühe Aussterben der Sprache nur eine geringe Anzahl sprachlicher Zeugnisse überliefert ist und damit die Kenntnis des Altpreußischen nur fragmentarisch ist. Häufig muss Sprachmaterial aus den verwandten Sprachen Litauisch und Lettisch zur Deutung herangezogen werden.


Baltische Herkunft:

Die meisten memelländischen Familiennamen sind baltischer Herkunft und wurden von einer Bevölkerung getragen, die größtenteils kurisch - prußisch - zemaitisch -sprachig war. Der hochlitauische (aukschtaitsche) Einfluss war sehr gering. Im Gegensatz zu den deutschen Familiennamen sind preußisch-litauische, wozu die meisten memelländischen gehören, starken Veränderungen unterworfen, die Familienforschern, die noch am Anfang ihrer Forschungen stehen, gewöhnlich Anfangsschwierigkeiten bereiten.

Familiennamen auf -eit gehen meist auf litauische Namen zurück. Vorfahren von Trägern dieses Namens stammen häufig aus dem Grenzgebiet von Ostpreußen und Litauen (z. B. aus dem Memelland). Beispiele: Wowereit, Karusseit, Willumeit, Bertuleit usw.


Belgische Herkunft:

Belgische Familiennamen sind häufig französischen oder holländischen Ursprungs. Die Amtssprachen im Lande sind Deutsch, Holländisch und Französisch. Im Norden des Landes ist der holländische Einfluss stärker, im Rest des Landes ist es eher der Französische: Mehr als sechs Millionen holländisch sprechende Flamen finden sich im belgischen Norden. Dem stehen vier Millionen französisch sprechende Wallonen im Süden Belgiens gegenüber. Die etwa 76.000 Deutschen leben meist an der Ostgrenze und picken sich dort das Beste aus den verschiedenen Kulturen heraus, die französische Lebensart gepaart mit deutscher Gründlichkeit.

Schätzungsweise gibt es etwa 190.000 Familiennamen in Belgien bei etwa 11,2 Millionen Einwohnern. Der häufigste Familienname in Belgien, Peeters, wird nur von 0,3% der Bevölkerung benutzt.


Dänische Herkunft:

Viele dänischen Namen enden auf -sen. Die Dänen vererbten ihre Namen erst sehr spät (beginnendes 20. Jhd.). Typische dänische Namen sind Petersen (=Der Sohn von Peter) oder Jorgensen (=Sohn von Jorgen, dem Bauern).

In Dänemark seien Namen wie Jensen, Nielsen, Pedersen und Andersen so häufig, dass die Träger dieser Namen sie bereits als Problem empfänden. Darum wurde dort die Erfindung eigener Familiennamen gesetzlich freigegeben.


Deutsche Herkunft:

Bis ins 12. Jhd. findet man in Quellen nur eingliedrige Personennamen. Bereits ab 1250 waren Familiennamen in Deutschland verbreitet. Viele Namen sind germanischen Ursprung und enden oft mit -er. Beispiele: Schuster (ein Schuhmacher), Müller (Herr über eine Mühle). Es gab jedoch bereits Möglichkeiten, familiäre Beziehungen zum Ausdruck zu bringen, etwa die Nennung des Vaters, den Stabreim, die Variation der Rufnamenglieder; z. B. im Hildebrandslied: „Hildebrand, Heribrandes Sohn“. Eine weitere Möglichkeit, Personen näher zu beschreiben, sind individuelle Beinamen, die auf ein besonderes Merkmal des Namensträgers anspielen. Auch konnte der Familienname noch wechseln, zum Beispiel bei Wegzug oder aufgrund neuer Berufstätigkeit.

Die deutschen Familiennamen haben sich im deutschsprachigen Raum seit dem 12. Jhd. nach und nach etabliert. Diese frühen Familiennamen sind aber im Gegensatz zum heutigen System noch nicht vererbbar und des Weiteren wandelbar in ihrer Erscheinungsform. Während der Adel seit der Erblichkeit der Lehen im Jahr 1037 feste Familiennamen trug, um seine Erbansprüche geltend machen zu können, folgten erst später die Patrizier und Stadtbürger. Bäuerliche Gegenden kamen ohne einen festen Familiennamen bis zum 17. oder 18. Jhd. aus, in Friesland wurde er erst im 19. Jhd. gesetzlich eingeführt.

Die meisten Familiennamen leiten sich ab:
    aus Berufs- und Amtsbezeichnungen
        (Berufsname: z. B.: Schneider, Fischer, Müller, ...)
    vom Vornamen des Vaters
        (Patronym: z. B.: Petermann, Peters, ...)
    oder der Mutter
        (Metronym: z. B.: Ayte = Agathe, Alscher = Adelheit, ...)
    von Eigenschaften der Person
        (Übername: z. B: Klein, Groß, Braun, Schwarz, ...)
    von der geographischen Herkunft
        (Herkunftsname: z. B.: Franke, Böhme, Hesse, ...)
    von Besonderheiten der Wohnstätte
        (Wohnstättenname: z. B.: Stein, Busch, Berg, ...).
Hofnamen oder Wohnstättennamen lassen sich einem ganz bestimmten Bauernhof oder einem bestimmten Wohnplatz zuordnen. Mit der Übernahme als Eigentümer oder Pächter war der frühere Familienname nicht mehr gebräuchlich, der neue Wohnsitzname wurde Familienname.

Erst 1875 wurden im Deutschen Reich die Standesämter eingeführt und die Namen festgeschrieben, was fahrlässige oder eigenmächtige Übertragungsfehler aber nicht ausschloss. Seitdem trägt jeder Deutsche einen Vornamen, einen eventuellen Zwischennamen und einen Familiennamen, und zwar in dieser Reihenfolge. Seit dem 5. Januar 1938 ist die Änderung des Namens durch das Gesetz über die Änderung von Familiennamen und Vornamen wegen eines wichtigen Grundes wieder möglich. Das deutsche Namensrecht wird besonders durch das Bürgerliche Gesetzbuch geregelt.


Elb- und ostseeslawische Herkunft:

Familiennamen elb- und ostseeslawischer Herkunft haben ihren Ursprung in den ehemals slawischsprachigen Gebieten des heutigen Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein, des nördlichen Brandenburg, des westlichen Niedersachsen sowie des historischen Pommern. Die in diesen Gebieten gesprochenen westslawischen Sprachen Polabisch (im Westen) und Pomoranisch (im Osten) weisen gegenüber den anderen westslawischen Sprachen, wie dem Polnischen und dem Sorbischen, eine Reihe von archaischen Zügen auf. Da die Familiennamen polabischer und pomoranischer Herkunft untereinander nur geringe sprachliche Unterschiede aufweisen, können sie nur auf Grundlage ihrer historischen Verbreitung der einen oder der anderen Sprache zugewiesen werden.


Finnische Herkunft:

Vor der Mitte des 19. Jhd. waren in Finnland mehrere verschieden alte und zu verschiedenen Zwecken entstandene Familien- und Beinamensysteme im Gebrauch. Sie bildeten die Elemente, aus denen vor gut hundert Jahren begonnen wurde, ein einheitliches Familiennamensystem aufzubauen. Das finnische Namensystem war durch eine markante Zweiteilung gekennzeichnet, in der sich die alte kulturelle Zweiteilung in Ost und West widerspiegelte. Diese kulturellen Unterschiede fanden ihren Niederschlag auch in der Namenpraxis. In Ostfinnland wurden Familiennamen schon seit Jahrhunderten weitervererbt. Im Zuge der Differenzierung der Stände wurde auch die Bei- und Familiennamenpraxis der verschiedenen Volksteile in West- und zum Teil auch in Ostfinnland differenzierter. Zur Zeit der Schwedenherrschaft begannen nämlich die höheren Stände, nach europäischem Vorbild hinzugefügte Bei- und sogar Familiennamen anzunehmen. Im 17. Jhd., zur Großmachtzeit Schwedens, nahm die Zahl nicht-finnischer Bei- und Familiennamen stark zu, denn der kontinentale Brauch des Adels, der Geistlichkeit, der Beamtenschaft und des Bürgertums, persönliche Beinamen zu verwenden, fand seinen Weg nach Finnland. Dem Vorbild des Adels gemäß wurden auch die fremden Namen im Bürgertum und in der Akademikerschaft allmählich vererbbar. Die Praxis besonderer Beinamen breitete sich auch unter Handwerkern und Soldaten aus.

Zu den häufigsten finnischen Familiennamen zählen Korhonen, Virtanen, Nieminen, Mäkinen, Hämäläinen, Koskinen, Heikkinen und Järvinen. Finnland liebt die Nachsilbe –nen, an der man ziemlich sicher einen finnischen Nachnamen erkennen kann. Zahlreiche Familiennamen widerspiegeln die enge Beziehung der Finnen zur Natur. Das wird deutlich in Familiennamen wie Kanerva (Heidekraut), Nummi (Heide), Kivi (Stein), Niemi (Halbinsel) oder Halla (Frost).


Französische Herkunft:

Um das Jahr 1680 flüchteten 44.000 bis 50.000 französische Protestanten, die Hugenotten, vor politischer und religiöser Verfolgung nach Deutschland. Sie erhielten von protestantischen Fürsten Asyl und wurden in verschiedenen Gegenden angesiedelt, wo sie sich in der Folge immer stärker assimilierten. Die Familiennamen der Hugenotten konnten sich zum Teil erhalten. Ähnlich wie die slawischen Namen haben sie sich zum Teil stark verändert, sodass der französische Ursprung nicht immer nachvollziehbar ist. Beispiele: Maizière, Wibeau, Dumont, Mangin/ Mengin, Chabrié, Gorenflo oder Sarrazin. Französische Familiennamen finden sich infolge von Zuwanderung aus Lothringen und der Wallonie daneben häufiger im Saarland und im Raum Trier, Beispiele: Lafontaine, Villeroy, Boch.


Griechische Herkunft:

Griechische Nachnamen sind vom väterlichen Namen abgeleitet, oder sind oft auf Ortsbestimmungen zurückzuführen und enden mit -os. Beispiele: Kraikos (= Anhänger Gottes), Xenos (= der Fremde). Der häufigste Familienname in Griechenland ist Papadopoulos, eine Variante des Namens Pappas, was wörtlich übersetzt „des Priesters Sohn“ bedeutet. Auf den Plätzen folgen Papadakis, Ioannou, Georgiou und Demetriou.

Namen wie Papadopoulos, die mit -opoulos enden, kommen häufig von der Halbinsel Peloponnes. Diese im Süden des griechischen Festlands gelegene Gegend hat etwa eine Million Einwohner. Menschen aus Kreta hingegen nutzen gerne die Endung mit -akis, eine Verniedlichung. Zu übersetzen ist der Anhang “-akis” mit „chen“ oder „lein“, etwa wie "Wässerchen", "Kindlein". Diese Besonderheit stammt aus der türkischen Besatzungszeit. Die türkischen Eroberer haben offiziell alle Nachnamen der in Kreta lebenden Einheimischen mit dieser Endung versehen, um sie lächerlich zu machen, zu erniedrigen und um damit ihren Stolz zu brechen. Von der drittgrößte Insel Griechenlands Lesbos stammende Griechen haben gerne –ellis als Namensendung. Das Wort „lesbisch“ wird vom Namen der Insel abgeleitet, da die von der Insel stammende berühmte antike Dichterin Sappho unter anderem von der (ihrer) Liebe zu Frauen sang.

In griechischen Gefilden finden sich viele Nachnamen die mit “Kara-” beginnen, was auf Türkisch “Schwarz” oder auch “Dunkel” bedeutet. Bereits Karl May hat Kara als Vorname in seinen Orientromanen genutzt: Kara Ben Nemsi, was übersetzt “dunkler Sohn der Deutschen“ bedeutet. Eine klassische Namensendung in der Schwarzmeerküste ist “-ides”. Diese Endung wurde nicht selten an dort hingesiedelte Griechen vergeben. Die christlichen Pontosgriechen weisen oft die Endung -idis bzw. -iadis in der männliche Form, oder -idou bzw. -iadou in der weibliche Form auf. Typische Vertreter sind zum Beispiel Dimitriadou oder Michailidis.


Hebräische Herkunft:

Bei hebräischen Namen gibt es wenige Berufsbezeichnungen, sie lassen eher auf den Charakter oder Eigenschaften des Trägers schließen: Ury (= Feuer, Licht), Cohen (= Priester).


Isländische Herkunft:

Isländische Personennamen bestehen, wie alle nordgermanischen Personennamen, aber anders als in anderen westlichen Ländern, meistens nicht aus den Vornamen und einem Familiennamen, sondern aus den Vornamen und einem Vatersnamen (seltener einem Mutternamen), der nicht die historische Abstammung von einer Familie, sondern den Vornamen des Vaters (bzw. der Mutter) des Kindes widerspiegelt.

Ein bekanntes Beispiel für dieses traditionelle Namensgebungssystem Skandinaviens ist der isländische Entdecker Leif Eriksson: Leif, Sohn Eriks des Roten. In Island wird diese Form der Namensgebung bis heute fortgeführt. Während Norwegen und Schweden zum Familiennamensystem übergegangen sind, gilt für färöische Personennamen (auf den zu Dänemark gehörenden Färöern) das Vatersnamensystem seit 1992 wieder als Alternative zum Familiennamensystem. In Dänemark selbst ist die Verwendung von Vatersnamen seit 2006 wieder erlaubt.


Italienische Herkunft:

In Italien gab es Familiennamen schon etwas früher als im deutschen Sprachgebiet. Berufe spielten bei der Entstehung italienischer Nachnamen keine so große Rolle. Den größten prozentuellen Anteil haben in Italien insgesamt die Herkunftsnamen (Napolitano - "aus Neapel Stammender"; Romano - "der Römer", ...).

Etwa 10 Prozent aller italienischen Nachnamen stammen von Rufnamen germanischer Herkunft. Beispiele sind: Endrizzi (von Enrico – Heinrich), Gualtieri (von GualtieroWalter), Fedrizzi (von FedericoFriedrich).

Die meisten italienischen Namen enden entweder auf -e oder -i, seltener auch auf -a (für weibliche) oder -o (für männliche). Beispiele: Medici (= Medizinmann), Rossi (= rot, rothaarig), Bianchi (= weiß, blond), Ferrari (= Schmied).


Japanische Herkunft:

Es gibt heute in Japan ca. 100.000 Familiennamen.

Diese sind in verschiedene Schichten der Vergangenheit ab den 4./5. Jhd. (Familienverbände und -clans, Adlige, Ärzte, Samurai, Priester, usw.) bis ca. 1868 entstanden. Mit dem Jahr 1870 sind dann weitere Berufsgruppen (Händler, Bauern, Standlose) ermöglicht worden, sich einen bestimmten Nachnamen zuzulegen. Ab den Jahre 1870 wurden alle Bürger Japans verpflichtet, sich einen Nachnamen anzueignen. Zahlreiche Familiennamen wurden damit neu gebildet: nach dem Wohnort, nach der Örtlichkeit oder Wohnstätte, nach dem Beruf oder der Beschäftigung, nach Hausnamen, nach Naturerscheinungen, nach der örtlichen Umgebung usw.

Yama (Berg), Suzuki (Glockenbaum), Ishi (Stein), Ta (Reisfeld), Kawa (Fluss), Okawa (großer Fluss, Strom), Ino (Brunnen), Ike (Teich), Naka (Mitte), Shima (Insel), Mura (Dorf), Oka (Hügel, Anhöhe), Taka (hoch, groß), Ki (Baum, Holz) u. a.


Jüdische Herkunft:

In Deutschland lebten die Juden bereits seit dem Mittelalter in sozial abgegrenzten Gemeinschaften und wurden von der christlichen Kultur meist in eine sozial benachteiligte Position gedrängt. Bis tief in die Neuzeit trugen sie nur einen einzigen Namen, der meist hebräischer Herkunft war. Innerhalb der christlichen Bevölkerung setzten sich feste Familiennamen erst seit 1600 durch. Bei den Juden entwickelten sie sich zuerst dort, wo es eine große, beruflich vielfältige jüdische Gemeinde gab ‒ so z. B. in Frankfurt am Main, in Wien und in Prag. Erst im 18. und 19. Jhd. wurden die Juden im Rahmen der Emanzipationsgesetze zur Annahme fester Familiennamen verpflichtet, zuerst 1787 in Österreich, 1809 in Baden, 1813 in Bayern - in Sachsen erst seit 1838. Dabei boten die Emanzipationsgesetze meistens Gelegenheit zu freier Wahl der Namen. Eine Ausnahme bildete Westgalizien, wo die Juden die Familiennamen administrativ erhielten und wohlklingende Namen (Lilienthal, Rosenthal, Edelstein) käuflich erwerben konnten.

Die Familiennamen der Juden sind daher nicht das Produkt eines langen sozialen und sprachlichen Entwicklungsprozesses sondern sprachgeschichtlich viel jünger als die deutschen Familiennamen. In vielen Fällen wurden Kunstprodukte mit semantischer Durchsichtigkeit oder mit beabsichtigter positiver oder negativer Assoziation gewählt bzw. verordnet. Als besonders typisch für jüdische Familiennamen erscheinen die Kunstnamen, die eine sehr umfangreiche Namengruppe bilden. Dabei fällt eine Reihenbildung mit bestimmten positiv konnotierten Wörtern auf:

Blume - Blum, Blumberg, Blumenberg, Blumenfeld, Blumenkranz, Blumenthal, Blümlein

Freude - Freudenreich, Freudenthal

Stern - Stern, Sternberg, Sternheim, Sternlicht, Sternlieb, Sternreich, Sternschuß, Sternweiler

Süß - Süßkind, Süss, Süssermann, Süssmann

Gold - Goldbaum, Goldberg, Goldblatt, Goldenthal, Goldfaden, Goldfein, Goldfinger, Goldfischer, Goldfreund, Goldkranz, Goldhammer, Goldmann, Goldkranz, Goldhammer, Goldenmacher, Goldschneider, Goldschlack, Goldstaub, Goldstein, Goldwasser

Rose - Rosen, Rosenbaum, Rosenberg, Rosenberger, Rosenblatt, Rosenblüth, Rosenblum, Rosenfeld, Rosenfelder, Rosengarten, Rosenhain, Rosenkranz, Rosenrauch, Rosenstein, Rosenstock, Rosenthal, Rosenthaler, Rosenzweig

usw.


Lettische Herkunft:

Die flächendeckende Herausbildung der lettischen Familiennamen vollzog sich erst im 19. Jhd. durch die Beseitigung der Leibeigenschaft (in Kurland 1817, in Livland 1819 und in Lettgallen 1861). Bei der Annahme eines festen Familiennamens konnte sowohl auf ein bereits vorhandenes Inventar, vor allem an Über- und Wohnstättennamen, zurückgegriffen werden (1540: Peter Peda zu lettisch pēda "Fuß" oder 1541: Brosius Purvyt zu lettisch purvs "Sumpf") als auch Familiennamen neu gebildet werden, wobei solche aus dem Bereich der Naturmotivik besonders populär waren. Unter den 15 häufigsten Familiennamen Lettlands dominieren heute auf Baum- und im weitesten Sinne Gehölzbezeichnungen zurückgehende Namen, wie Bērziņš (bērzs "Birke"), Ozoliņš bzw. Ozols (ozols "Eiche"), Kļaviņš (kļava "Ahorn"), Liepiņš (liepa "Linde"), Eglītis (egle "Tanne"), Vītols (vītols "Weide") , Kārkliņš (kārkls "Weide"), Krūmiņš (krūms "Strauch") sowie Zariņš (zars "Zweig"). Daneben finden sich die Familiennamen Kalniņš (kalns "Berg"), Balodis (balodis "Taube") und Vanags (vanags "Habicht").

Jansons und Petersons, die einzigen Fremdnamen unter den häufigsten Familiennamen Lettlands, sind niederdeutschen bzw. schwedischen Ursprungs. Kennzeichnend für eine Vielzahl lettischer Familiennamen ist das heute zur Bildung von Diminutiven verwendete Suffix -iņš, das in den eingedeutschten Familiennamen lettischer Herkunft häufig als -ing (Grauding, Kalning, Osoling) erscheint.


Memelländische Herkunft:

Endnungen –at und –eit:
Diese Endungen stehen für „Sohn des …“ oder für die Herkunft aus einem Dorf oder von einem Fluss (Balt-upönen/ Balt-upe). Trägt jemand den Nachnamen Baltumat oder Baltumeit, so drückt das auch aus, dass sein Vater noch lebt.

Endungen –atis/ -eitis / -ellis:
Diese Endungen stehen für „Enkel des…“, wenn der Enkel einen eigenen Mannesstamm begründet hat. Trägt jemand den Nachnamen Baltumatis oder Baltumeitis, so drückt das auch aus, dass sein Großvater noch lebt.

Beispiel Name Aszmon:
Aszmonis (Vater lebt noch) - Aszmonatis (Großvater lebt noch)

Zu irgend einem Zeitpunkt verbot der deutsche Staat diese Änderungen der Nachnamen und die Namen mussten so weitergeführt werden, wie sie gerade waren.


Niederländische Herkunft:

314.000 unterschiedliche Nachnamen gibt es in den Niederlanden.

Während in der deutschen Nachnamen-Top-100 vor allem die einst weit verbreiteten Berufsbezeichnungen gut vertreten sind (Müller, Schmidt, Schneider, Fischer, Weber, …) besteht fast die Hälfte der Namen in der niederländischen Rangliste aus sogenannten Herkunftsnamen. Sie bezeichnen zum Beispiel einen konkreten Wohnort (Van Doorn), eine Region (De Vries – jemand aus Friesland) oder ein wichtiges geografisches Merkmal: Van de(n) Berg, Van de(n) Heuvel, Van Dijk, Van der Linden, Verhoeven, Veenstra.

Die zweitgrößte Gruppe bilden in der niederländischen Top-100 die Patronyme oder Vatersnamen – Familiennamen, die sich vom Vornamen des Vaters herleiten. Dazu gehören zum Beispiel Jansen/ Janssen, Peters/ Peeters, Hendriks, Hermans, Jacobs, Gerritsen und Willems/ Willemsen.

In den Niederlanden sind Nachnamen, die auf Berufsbezeichnungen zurückgehen, sehr beliebt. Viele davon sind auch auf deutscher Seite anzutreffen. Unter den ersten zwölf findet man sogar sechs solcher Namen: Bakker, Visser, Smit, Meijer, De Boer und Mulder.


Österreichische Herkunft:

Die meistverbreiteten Namen in Österreich sind deutscher Herkunft. Während in ländlichen Regionen die Herkunfts- und Wohnstättennamen überwiegen, spielen in den städtischen Bereichen die Berufs- und Standesnamen eine größere Rolle.

Tschechische Nachnamen wie etwa der in den Top 50 zu findende Böhm (aus dem Böhmerwald stammende) haben einen großen Anteil an den österreichischen Namen. So waren um 1880 in Wien weniger als 40% der Bevölkerung gebürtige Wiener. Zigtausende Arbeitskraefte aus der Tschechei haben zur Zeit des Historismus die ab 1860 die Wiener Ringstrasse erbaut, diese zählt zu den absoluten Highlights der österreichischen Bundeshauptstadt.

Aber auch slawische Einflüsse prägen die vorhandenen Familiennamen in Österreich. Die immigrierten Slowenen und Kroaten beeinflussen vor allem den Süden des Landes. Aber auch Einwanderer aus Rumänien, Jugoslawien, der Türkei und natürlich Ungarn tragen zur bunten Namensmischung des im Vergleich zum Nachbarn Deutschland kleinen Alpenstaates bei.


Polnische Herkunft:

Nachnamen können im Polnischen, wie in den anderen slawischen Sprachen, bei Anwendung auf weibliche Träger ein angehängtes -a als entsprechende Endung erhalten.

Eine typischer polnischer Suffix ist -ski (bzw. -sky) oder -orocki. Beispiele: Rudinzki (= In der Nähe einer Mine wohnend), Gorcyzka (= Verkäufer oder Hersteller von Senf). Auch die Endung -iak (Sohn/ Tochter von...) kommt häufig vor. Die Endungen -ski, -cki oder -dzki (bspw. bei Lewandowski, Kotecki, Zawadzki) sind adjektivische Ableitungen sog. Herkunftsnamen, d. h., sie geben einen Hinweis auf eine Ortschaft, eine Sippe, einen Stand oder eine historische Besonderheit. Der Familienname Podolski entspricht demnach aus Podolien stammend, der Podolische oder von Podolien.

Die ebenfalls häufige Endung -wicz (bspw. bei Adamowicz oder Filipowicz) entspricht dem germanischen Suffix -son bzw. -sohn und stellt erstarrte Vatersnamen dar, wie sie noch heute im Russischen als Patronyme gebräuchlich sind.


Preußisch-Litauische Herkunft:

Die preußisch-litauischen Familiennamen in der Bundesrepublik haben ihren Ursprung in den litauischsprachigen Gebieten des nördlichen Ostpreußens. Diese Region wird aufgrund ihrer historischen Zugehörigkeit zum Herzogtum Preußen und in dessen Nachfolge zum Königreich Preußen in der deutschsprachigen wissenschaftlichen Literatur als Preußisch-Litauen bezeichnet. Sie wurde im Norden und Osten durch die Grenze zu Polen-Litauen, später Russland, und im Süden durch eine Linie Königsberg-Insterburg-Gumbinnen begrenzt.

Kennzeichnend für preußisch-litauische Familiennamen sind die auf litauische patronymische Suffixe zurückgehenden Suffixe -eit, -at und -uhn.


Russische Herkunft:

Familiennamen gibt es in Russland seit dem 16. Jahrhundert. Sie entstanden zuerst in der Oberschicht. Nach der Aufhebung der Leibeigenschaft im Jahr 1860 gaben sich auch die Bauern Familiennamen. Ein typischer russischer Familienname zeichnet sich durch die Endung „-ow", „-jew", „-jow" oder „-in" aus. So bedeutete zum Beispiel Iwan Petrow ursprünglich „Iwan, Sohn des Peters". Ab der nächsten Generation wurde der auf diese Weise gebildete Familienname dann unverändert weitergegeben, für den Verweis auf den Vater wurde dagegen der Vatersname verwendet: Wasilij Iwanowitsch Petrow bedeutet also „Wasilij, Sohn des Iwans aus dem Geschlecht der Petrows".

Die meisten russischen Nachnamen stammen von kirchlichen Vornamen, Tiernamen oder Berufen ab, so zum Beispiel Alexandrow (Alexander), Antonow (Anton), Maximow (Maxim), Sokolow (Falke), Lebedew (Schwan), Koslow (Ziegenbock), Konowalow (Tierarzt), Melnikow (Müller) und Kowaljow (Schmied).


Schwedische Herkunft:

Die Bürger nahmen ab dem 16. Jhd. mit Vorliebe Familiennamen an mit Anknüpfung an die Natur (gerne Flora) oder die Topographie an oder aber Mischungen davon. Typische Endungen für schwedische Namen sind -son (für Söhne) oder -dotter (für Töchter).

Der Großteil der schwedischen Bevölkerung hat heute den Nachnamen Andersson (Sohn von Anders), weil der Name Anders im letzten Jahrhundert ein sehr beliebter Vorname war. Deshalb hat die schwedische Regierung es den Einwohnern erlaubt, Ihre Namen gegen eine Gebühr beim Patentamt ändern zu lassen, um der Namensgleichheit ein Ende zu setzen. Diese Option haben sehr viele Schweden angenommen.

Hingegen nehmen Immigranten in Schweden wieder schwedische Nachnamen an, um sich nicht einer Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt auszusetzen.


Slawische Herkunft:

Zahlreiche deutsche Familiennamen slawischen Ursprungs finden sich vor allem im Meißnerisch-obersächsischen, brandenburgischen und schlesischen Familiennamenbestand, vor allem solche sorbischer Herkunft. Beispiele: Hannak, Hanika, Horak, Nowak, Noack, Krahl und Kroll, Kralik usw. Slawische Familiennamen sind auch Zeugnisse für Zuwanderer aus Polen, die in Deutschland von Ende des 19. Jhd. an bis Anfang des 20. Jhd. im Ruhrgebiet Arbeit fanden. Beispiele sind Juskowiak, Szepan, Kuzorra oder Sobotka. Heutzutage werden diese meist „falsch“ ausgesprochen und geschrieben, vor allem da auf Sonderzeichen verzichtet wird.


Spanische Herkunft:

Spanische Nachnamen bestehen im Normalfall aus zwei Teilen, die einfach aneinander gereiht werden. Der erste Familiennamen ist der Nachname des Vaters, der zweite Familienname ist der erste Nachname der Mutter. Im Gegensatz zu anderen Ländern behalten sie Spanier auch bei Veränderungen im Familienstand ihren Doppelnamen lebenslang, es gibt keinen gemeinsamen Familiennamen für Ehepaare wie etwa in Deutschland. Auch die Kinder nicht.

Eltern dürfen seit 1999 die Reihenfolge beider Nachnamensteile für ihren Nachwuchs bestimmen. Hat das Paar mehrere Kinder, so muss allen der identische Familienname vergeben werden, ein Mix ist nicht möglich. Allerdings besteht mittlerweile die Möglichkeit eines Tausches der Reihenfolge, wenn das Kind sein 18. Lebensjahr vollendet hat.

Bis auf den ersten Platz, der vom “Mutigen in der Schlacht” besetzte Garcia sind die häufigsten Familiennamen in Spanien patronymischen Ursprungs. Pérez „Sohn von Pe(d)ro“, Sánchez „Sohn von Sancho“, Gonzalez „Sohn von Gonzalo“ usw. Auch einige Namen mit der Endung -iz, -az und -oz haben diese Bedeutung, etwa Ruiz von Rodrigo, Díaz von Diego oder Santiago, Muñoz von Muño.


Türkische Herkunft:

Das türkische Familiennamensystem unterscheidet sich durch seine spezielle Entstehungsgeschichte vom deutschen (und von den meisten anderen europäischen). Anders als bei den historisch gewachsenen Familiennamensystemen wurden die türkischen Familiennamen Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts per Gesetz eingeführt, wonach jede Familie sich in relativ kurzer Zeit selbst einen Familiennamen aussuchen und registrieren lassen musste. Das Familiennamengesetz (Soyadı Kanunu) schließlich verpflichtete 1934 jede Familie (oder genauer: die Familienoberhäupter), binnen zwei Jahren einen Familiennamen registrieren zu lassen. 

In der Praxis sah es also so aus, dass jeder Familienname beantragt werden musste und auch zurückgewiesen werden konnte. Nicht immer wurden dabei die Regelungen beachtet: So kam es zum Beispiel recht häufig vor, dass für mehrere Familien in einem Dorf der gleiche Name eingetragen wurde; auch die Regelungen zur sprachlichen Herkunft der Namen wurden von verschiedenen Ämtern auf unterschiedliche Weise ausgelegt. Bei der Namenwahl waren der Phantasie kaum Grenzen gesetzt; so konnten Namen entstehen wie Uzunkavakaltındayataruyuroğlu "Sohn dessen, der unter der großen Pappel liegt und schläft".

Die hohe Zahl von Zuwanderern aus der Türkei führte dazu, dass türkische Namen auch relativ oft in Deutschland vorkommen.


Ungarische Herkunft:

Einige ungarische Familiennamen beziehen sich auf Berufe. Zum Beispiel ist der Szabó ein “Schneider” oder auch der Kovács “Schmied”. Auch ethnische Hintergründe sind zu finden, die ungarischen Nachnamen Németh “Deutsch” oder Horvát “Kroate” deuten auf frühere Einwanderer aus diesen Ländern hin. Ebenso sind Ortsbezeichungen gängig. Die Familie Bába etwa stammt von einem der vielen gleichnamigen Orte in Abaúj, Borsod, Somogy und Vas. Patronyme Namen wie Caspari, das übersetzt Kaspar bedeutet, oder Gábor, der ungarische Gabriel, runden die vielfältige Namensherkunft ab.

Ungarische Namen bestehen aus dem Nachnamen, Vornamen und (aber nicht immer) dem Mittelnamen oder “zweiten Vornamen”. Diese Form stammt übrigens noch aus der Zeit des beginnenden Mittelalters. Damals war die “eastern order” im heutigen Europa noch üblich. Ungarn im Ausland dagegen drehen ihre Namen um und nutzen das “western format”.

 

 

 

 

 

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